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Solawi – 100 Interessenten beim Gesprächsabend über Solidarische Landwirtschaft in Fährbrück

Solawi – Sola wie? Das fragte sich mancher der rund 100 Besucher beim Gesprächsabend für Verbraucher und Erzeuger am Samstag, 2. Februar, in Fährbrück. Hinter dem Kürzel „Solawi“ verbirgt sich ein neues Modell, bei dem Bauern und Verbraucher näher zusammen rücken. Konkret sieht „Solidarische Landwirtschaft“ so aus, dass mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs übernehmen und dafür dessen Ernteertrag erhalten.

Es wird also nicht wie sonst das einzelne Lebensmittel finanziert, sondern eine Gemeinschaft trägt die Kosten der Landwirtschaft insgesamt. Damit wird das unternehmerische Risiko, das sonst der Bauer oder Gärtner allein trägt, auf die Schultern derer verteilt, die von der Ernte profitieren. Deshalb wird auch zu Beginn des Jahres festgelegt, wie viel die „Ernteteiler“ (Mitglieder einer Solawi) bezahlen. Im Schnitt sind das zwischen 40 und 90 Euro im Monat, die an den Landwirt gehen. Zudem wird gemeinschaftlich abgestimmt, was auf den Feldern angebaut wird. Die Ernteteiler wiederum bekommen frisches, regionales und saisonales Biogemüse, von dem sie genau wissen, wo es herkommt und wie es angebaut wurde. Zudem haben sie die Gelegenheit, bei der Feldarbeit unter fachlicher Anleitung mitzuhelfen und so hautnah zu erleben, wie es ist, selbst Gemüse zu ernten.

Wie vielfältig und bunt diese Grundidee interpretiert werden kann, das wurde in Fährbrück deutlich. Da gibt es die Biolandwirtin Claudia Dollinger, die mit ihrem 60-Hektar-Biohof in Thalmässing bei Nürnberg seit fünf Jahren Solidarische Landwirtschaft betreibt. Über 17 Abholstellen werden pro Woche rund 500 überwiegend junge Leute und Familien mit Obst, Gemüse und Fleisch versorgt. Deshalb spielen Kommunikation und Gemeinschaftsgefühl für die Dollingers eine ganz wichtige Rolle. Wöchentliche Informationen über einen Newsletter gehören ebenso dazu wie ein Hoffest sowie das „Hack- und Jät-“ und das „Erntefestival“, bei denen bis zu 100 Menschen auf dem Feld mitarbeiten.

Ganz anders die Situation in Schweinfurt: Für die dortige, noch sehr junge Solawi war es nach den Worten von Erich Morgenstern das größte Problem, einen Landwirt zu finden, der bereit war, eine Anbaufläche zu einem angemessenen Preis zur Verfügung zu stellen. Inzwischen ist das Areal gefunden, die 76 Ernteteiler haben sich bereits an die Arbeit gemacht. Morgenstern: „Gemeinschaft ist für uns ganz zentral und glückliche Mitglieder zu haben das Wichtigste.“

Zwei Hektar auf sechs Parzellen bewirtschaftet seit vier Jahren das Team der Solawi Hohenlohe in der Nähe von Crailsheim. Die 90 Ernteteiler beschäftigen zwei hauptberufliche Gärtner und zwei Aushilfskräfte, berichtete Gerd Beierlein. Geordert werden Rüben, Mangold und Salat über ein Online-Bestellsystem. Beierlein machte jedoch auch klar, dass es nicht nur Vorteile gibt, sondern auch gewisse „Nebenwirkungen“: Die Frage der Lagerung der Ernte etwa oder dass mitunter nicht alle Wünsche erfüllt werden können.

Solidarität und die Übernahme von Verantwortung war gerade im abgelaufenen Jahr gefragt. Die Arbeiten auf dem Feld waren wegen der großen Hitze von April bis Oktober sehr anstrengend (Gerd Beierlein: „Das war eine Katastrophe“). Zudem schnellte der Wasserverbrauch in die Höhe. Trotz eigenen Brunnens musste etwa der Biohof Dollinger 8000 Euro mehr Wasserkosten verkraften. Umgelegt wurde die Summe, so Claudia Dollinger, auf die Ernteteiler, was auch gemeinschaftlich abgestimmt wurde. Mit einer Einmalzahlung von 30 Euro konnte das Problem aus der Welt geschafft werden.

Bei dem Gesprächsabend unter dem Motto „Gemeinsam säen und ernten - Solidarische Landwirtschaft“ stellten sich auch zwei unterfränkische Initiativen zur Gründung einer Solawi vor. Sie sollen in Kitzingen (Bio-Gärtner Erich Gahr) und in Oberaltertheim (Biohof Dieter Kraus-Egbers) entstehen. Eingeladen nach Fährbrück hatte die Katholische Landvolkbewegung (KLB), die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) sowie das Lernwerk Volkersberg. Informationen zum Thema und Kontaktanschriften gibt es beim Moderator des Abends, KLB-Bildungsreferent Dr. Wolfgang Meyer zu Brickwedde, Tel. 0931/386 63 721, Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

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