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Zieh ins Land – Exkursion der Katholischen Landvolkbewegung nach Mittelsinn

Einen sehr abwechslungsreichen Tag erlebten circa 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion in den Sinngrund, zu der die Katholische Landvolkbewegung im Bistum Würzburg am Samstag, den 26. Mai, eingeladen hatte. Unter dem Motto „Zieh ins Land“ bietet die KLB zweimal im Jahr Exkursionen in die verschiedenen Regionen Unterfrankens an. Die kleine Gemeinde Mittelsinn war dieses Mal das Ziel, in der am Vormittag die Nachbarschaftshilfe „Helfende Hand“ vorgestellt und am Nachmittag Vieles über den Anbau von Christbäumen sowohl bio als auch konventionell vermittelt wurde.

Nach einem Gottesdienst mit Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl verwies Bürgermeister Peter Paul in seinen Eingangsworten darauf, wie wichtig es für die Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit des kleinsten Sinngrundallianzdorfes mit seinen gut 800 Einwohnern sei, sich ehrenamtlich, aber auch gemeinschaftlich einzubringen. 10 Vereine, eine vitale Ökumene und die Flüchtlingsarbeit zeugten davon. Neueste Projekte sind die Planung eines Mehrgenerationenhauses im ehemaligen evangelischen Schulhaus und die Mitfahrgelegenheit „Der blaue Stuhl“. Bereits seit Herbst 2008 besteht die Nachbarschaftshilfe „Helfende Hand“, die sich um Hilfs- und Besorgungsdienste für Alte, Kranke und Hilfesuchende kümmert. „Wir haben allerdings einen langen Atem gebraucht, bis die Initiative im Ort angenommen wurde“, merkt Raimund Gayer, der Vorsitzende und Koordinator der Initiative, an. Und Bürgermeister Paul ergänzt, dass die Gemeinde die Trägerschaft übernommen habe und sich um die Versicherung der ehrenamtlich Tätigen kümmere.

Der Nachmittag stand bei sommerlichen Temperaturen ganz im Zeichen der Christbäume, die seit Jahrzehnten das Landschaftsbild der Region prägen und für einige Familien den Haupterwerb ausmachen. Zunächst berichtete Günther Marx im evangelischen Pfarrheim von seinen Erfahrungen als Bioanbauer. Seit 2013 bewirtschaftet er 50 Hektar Anbaufläche. Er legt Wert auf die Feststellung, dass seine Kulturen auf ehemaligen Ackerstandorten angelegt wurden und dafür kein Wald abgeholzt werden musste. „Bio bedeutet, ich setze u.a. Sauermilchmolke gegen Schädlinge ein, verwende einen Brottrunk als Stärkungsmittel und mähe das Gras zwischen den Baumreihen“, so Marx. Großabnehmer seiner Bäume sei z.B. die Lebensmittelkette Tegut, aber auch der Onlinehandel gewinne mehr an Bedeutung.

Den konventionellen Weg des Christbaumanbaus ist die Familie Klug gegangen, der letzten Station des Exkursionstages. Aus einem landwirtschaftlichen Betrieb hervor gegangen, werden hier seit circa 50 Jahren Weihnachtsbäume angebaut. Auf dem Betrieb wird manches größer gedacht und entsprechend gehandelt: 100 Hektar Anbaufläche, drei Vollzeitkräfte, bis zu 45 Saisonarbeitskräfte. Auf einer Anhöhe wurde ein künstlicher See angelegt, um einen Teil der Anbaufläche gegen Frost schützen zu können. „Die Vermarktung ist das A und O“, so Uwe Klug. Schließlich würden viele Menschen ihren Lebensunterhalt mit den Christbäumen verdienen. Dazu gehöre auch die Gründung des Christbaumdorf e.V., der von 30 Familien getragen werde. Ihm sei bewusst, dass der konventionelle Weg der Produktion, der Spritzungen mit chemischen Pflanzenschutzmitteln gegen Gräser und Kräuter, gegen Schädlinge und Pilze beinhalte, von manchen kritisch gesehen werde. Wichtig sei es, hier Aufklärung zu betreiben.

Das Für und Wider wurde von den Teilnehmenden lebhaft diskutiert. „Wir haben einen sehr guten Einblick bekommen“, resümierte ein Teilnehmer. Stefan Oppmann, Vorstand der KLB Würzburg, verabschiedete die Gruppe mit dem Fazit: „Bei aller Unterschiedlichkeit und kritischen Auseinandersetzung ist es wichtig, den Respekt vor dem anderen nicht zu verlieren.“

 Wolfgang Meyer zu Brickwedde

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