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Wie macht man das Leben auf dem Land wieder attraktiver? Man nehme Gemeinschaftssinn, biete Möglichkeiten zum Gespräch und verbessere die Nahversorgung mit hochwertigen Lebensmitteln. Heraus kommen kann dabei so etwas wie der Dorfladen Rück-Schippach.

Wie gut dieser Ansatz in der Praxis funktioniert, davon konnten sich die 20 Teilnehmer*innen einer Exkursion der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) in die Region Obernburg am Samstag, 30. März, überzeugen. Unter dem Motto „Zieh ins Land“ besuchte die Gruppe unter der Leitung von Stefan Oppmann neben dem Dorfladen die Pferdepension Vad in Obernburg. Der KLB-Diözeanvorsitzende: „Ich habe mich darüber gefreut, dass so viel Positives entstehen kann, wenn gemeinsam etwas angegangen wird.“

„Wollt auch Ihr gehen?“ fragten die Teilnehmer*innen mit Blick auf die heutige Situation in vielen Dörfern bei einem Wortgottesdienst, der zum Auftakt der Exkursion gefeiert wurde. Nein, war die vielfache Antwort in Rück-Schippach. Denn der Dorfladen im Zentrum des Ortes trägt maßgeblich dazu bei, dass die Menschen im Ort bleiben, dort einkaufen oder gemeinsam einen Cappuccino trinken. So hat sich der 2013 auf genossenschaftlicher Basis gegründete Dorfladen mit Café zum Mittelpunkt des Ortes und zu einem Treffpunkt für jung und alt entwickelt. Waren es anfangs 110 Anteilseigner, ist die Zahl mittlerweile auf rund 250 gestiegen. Das entspricht ziemlich genau der Zahl an Kunden, die dort täglich ein- und ausgehen. Geschäftsführerin Vicki Sauerwein: „Es ist nicht nur die Größe des Dorfes, sondern es ist auch die Anzahl der Personen entscheidend, die dahinter stehen.“

„Man kann hier sogar eine heilige Messe bestellen.“ So umreißt der Ehrenamtliche Wolfgang Heer die breite Palette von Möglichkeiten, die der Dorfladen bietet. Weißwurstfrühstück, werktäglich warmes Mittagessen, Geburtstagsfeiern, Seniorennachmittag, Oktoberfest, Lotto spielen oder Geld abheben, der Dorfladen tut viel für die Gemeinschaft. Und auch das Warenangebot kann sich sehen lassen. Brot und Wurst aus Bäckerei und Metzgerei wurden inzwischen durch viele regionale Produkte und Bio-Artikel ergänzt. Nicht zuletzt deshalb wurde der Laden, der von drei Haupt- und 30 Ehrenamtlichen betrieben wird, mit dem Fair-Trade-Siegel des Landkreises Miltenberg ausgezeichnet. Inzwischen schreibt der Dorfladen schwarze Zahlen, auch dank der tatkräftigen Unterstützung der Gemeinde Elsenfeld, sei es gleich beim Start des Projekts oder 2018 beim Umbau und der Erweiterung des Dorfladens.

Nach dem Mittagessen ging es weiter nach Obernburg zur Pferdepension Vad. Der ehemalige Milchviehbetrieb begann 1992, Pensionspferde einzustellen, heute sind es 23. Vor acht Jahren bauten die Vads eine Reithalle dazu. Die Pferde kommen jeden Tag auf die Weide, auch im Winter. Das Futter für die Tiere wird selbst angebaut, insgesamt verfügt der Hof über 13 Hektar Ackerbau und sieben Hektar Weiden und Wiesen. Chefin Christine Vad, die gelernte Schreinerin ist, absolvierte 2001 eine Ausbildung zur Pferdepflegerin. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern kümmert sie sich um die Pferde. „Ich schätze die Leute, die zu uns kommen“, betont Christine Vad. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Reitern.“

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