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Zu einer Versöhnung von Ökologie und Ökonomie hat Rolf Brauch, Regionalbeauftragter der Evangelischen Kirche für den Dienst auf dem Land, in Gaurettersheim aufgerufen.

Über 40 Landwirte und Verbraucher waren am Dienstag, 12. November, der Einladung des KLB-Kreises Würzburg gefolgt und ins Bürgerheim gekommen. Nach der Begrüßung durch Barbara Düchs erlebten sie einen anregenden Vortrag, an den sich eine lebhafte Debatte anschloss. Gleich zu Beginn ging der bekannte Referent auf die aktuellen Entwicklungen ein. „Die Bäuerinnen und Bauern haben ein Kreuz“, erklärte er mit Blick auf die auf vielen Feldern aufgestellten grünen Kreuze oder die großen Traktorendemos. Er monierte „Anfeindungen aus der Gesellschaft“, die hohe Arbeitsbelastung von Landwirten, den oftmals geringen Verdienst (in Baden-Württemberg liegt er nach seinen Worten bei rund 3.000 Euro brutto) und sinkende Preise für Produkte wie Milch, Fleisch und Getreide. Deshalb, so Brauch, haben viele Betriebe aufgehört; bei 70 Prozent in Baden-Württemberg gebe es zudem keine geklärte Hofnachfolge. Und: Viele Bauern haben nicht freiwillig die Segel gestrichen: jeder sechste Landwirt geht aufgrund von Burnout in den Ruhestand.

Der Agrarwissenschaftler rief die Bauern dazu auf, die eigene Arbeitskraft ehrlich einzuschätzen und zu dokumentieren sowie sich konkrete messbare Ziele hinsichtlich Ökonomie und Lebensqualität zu setzen. Bei diesem Prozess sei Bildung der wichtigste Faktor. Sie ermögliche, für sich das richtige Maß zu erkennen. Brauch: „Wenn ich mich auf den Weg des Wachstums begebe, muss mir klar sein, dass dieser Weg nie zu Ende sein wird.“ Dann gilt es sich Fragen zu stellen wie „Pack ich diesen Weg mit meinem Herzen, meinem Geldbeutel und meiner Seele?“ Daneben mahnte er, die Beziehungen innerhalb der Familie und des Dorfes nicht zu vernachlässigen. „Die Paarbeziehung ist der Anker eines Betriebes“, erklärte er.

Brauch, der auch als Bildungsreferent arbeitet, erinnerte daran, dass in den 50er Jahren die Ernährungssouveränität als Ziel der Landwirtschaft deklariert wurde. Dieses Ziel sei längst erreicht worden. In der heutigen Zeit müsse die Ökologisierung der Landwirtschaft an erster Stelle stehen. Er warf der Politik, aber auch den Berufsvertretungen massives Versagen vor. Nachdrücklich plädierte er für die Gründung eines Sonderfonds Landwirtschaft.

Als weitere Forderungen benannte er: die Viehhaltung an die Fläche koppeln, die Fruchtfolge weiten mit mehr und anderen Kulturen, eine Entschädigung bei Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutz, mehr Landschaftselemente und Blühstreifen und die Tierhaltung umstrukturieren. Konkret sprach er z.B. die Futtergrundlage an, die aus heimischen Regionen kommen müsse.

Er appellierte auch an die Verbraucher, ihr Ernährungsverhalten zu verändern. Fair, saisonal und regional sollte eingekauft werden, zudem gelte es den Fleischkonsum einzuschränken. Brauch: „Wir brauchen einen Dialog. Es geht nur gemeinsam.“

 

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